Das bayrische Kleid

Nun wird es allmählich kühler und die Mädels brauchen dickere Anziehsachen. Meine Töchter tragen am liebsten Kleider, also habe ich ein Bisschen Stoff eingekauft. Vor allem Sweatstoff, kuschelig angeraut. Eins davon hat ein wunderschönes Chevronmuster in türkis-weiß.

Dieses, übrigens kostenlose, Schnittmuster von Mamahoch2 für ein Raglanshirt habe ich verlängert und unten etwas ausgestellt und daraus ein Kleid aus dem kuscheligem Sweat genäht. Ich war sehr zufrieden damit, die kleine Anna auch. Unten in die Ecke hatte ich noch einen kleinen weißen Pudel appliziert. Die Vorlage für diesen Pudel, stammt aus einer Verpackung, die bei meiner Freundin in der Küche steht. Ich fand den Pudel schon immer so niedlich, dass ich ihn irgendwann einfach abmalte und zu meinen Appliziermustern tat. Ich fotografierte den kleinen Pudel auf dem Kleid und schickte ihn meiner Freundin, mit den Worten: „Kennst Du den?“ Daraufhin kam folgende Antwort:

2014_01_13

„Toll! Bayrisches Kleid mit Hund!“ Ich war etwas perplex, dass das Chevronmuster, in was ich total verliebt war an Bayern erinnert, auf diese Idee wäre ich nie gekommen. Also antwortete ich leicht schnippisch: „Ist nicht bayrisch, ich bitte Sie meine Dame. Das nennt man Chevron.“

Etwas eine halbe Stunde später waren mir bei meinen Schwiegereltern eingeladen, weswegen Anna auch das neue, gerade von der Nähmaschine gehüpfte Kleid trug und als wir durch die Eingangstür kamen, begrüßte uns mein Schwiegervater mit: „Oh, was hat die Anna denn heute für ein chices bayrisches Kleid an?“ Da war ich dann endgültig verdutzt!

Bild1     2014_10_13b       2014_10_13a

Nach reiflicher Beobachtung des Kleides, muss ich zugeben, dass die Assoziation durchaus nachvollziehbar ist. Es ist witzig, wenn man so überhaupt nicht in eine Richtung denkt, aber offensichtlich einige andere Menschen eine bestimmte Assoziation damit haben. Wir lieben jedenfalls unser bayrisches-Chevron-Sweat-Herbstkleid trotzdem und es musste dringend ein zweites für die große Schwester her. Ich musste das Kleid von Anna gestern noch waschen, damit sie es heute im Kindergarten wieder anziehen konnte. Und da sie es heute anhatte, hüpfe ich damit auch rüber zu my kid wear von Rohmilch, zu kiddikram und zu meitlisachen.

Den Chevron-Sweatstoff von swafing gibt es zum Beispiel bei Evli`s Needle, übrigens auch in rot-weiß, falls ihr es nicht so bayrisch mögt.

Zu unterschiedlichen Assoziationen von verschiedenen Menschen kann ich noch eine Geschichte erzählen. Letzte Woche holte ich mit Anna die Julia von der Schule ab. wir waren etwas zu früh und warteten im Schulhof. Dort trafen wir eine Mutter einer Klassenkameradin von Julia und ich unterhielt mich mit ihr. Nach einer Weile lief ein Mädchen mit dunkler Hautfarbe an uns vorbei. Anna zeigte auf sie und redete etwas, was ich nicht richtig verstand. Ich vernahm nur das Wort „Nutella“ und sah, dass die andere Mutter grinste. Da beugte ich mich zu Anna runter und fragte sie, was sie gesagt hätte…ich ahnte nichts Gutes…und so war es auch. Klar und deutlich und mit dem Finger in Richtung des dunkelhäutigen Mädchen zeigend wiederholte Anna: „Das Mädchen hat sich mit Nutella eingecremt!!!“

Wie bitte???

Ich wusste gar nicht so genau wie ich das finden soll. Die Mutter neben mir lachte inzwischen schallend. Ich fand es auch irgendwie lustig, gleichzeitig ging es mir den Rücken heiß und kalt runter. Woher hatte sie das? War das gerade ihre Assoziation zu der tatsächlich sehr schokofarbenen Haut oder hatte sie diesen Spruch irgendwo aufgeschnappt? Und wenn er aufgeschnappt war, dann wo? Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Julia ihr so etwas gesagt hatte. Wie „political incorrect“ darf man mit fast drei Jahren sein? Darf man es als Mutter auch lustig finden, wenn die kleine Anna denkt, ein dunkelhäutiges Mädchen cremt sich mit Nutella ein, bevor sie zur Schule geht? Die andere Mutter spürte wohl mein Unbehagen und kurzfristige Ratlosigkeit und winkte nur ab. „Ist doch süß!“, waren ihre Worte. Naja, genau in diesem Moment kam Julia raus und die Situation war vorbei. Abends erklärte ich Anna sicherheitshalber doch, dass Nutella wenig mit der Hautfarbe der Menschen zu tun hat. Sie guckte ganz weise, nickte fleißig und erklärte mir wiederum, dass sie ja im Urlaub, wenn sie Nutella essen darf, ja schließlich  auch nicht so dunkel wird. Okay, ich glaube, sie hat es verstanden.

Natürlich glaube ich nicht ernsthaft, dass man Kind irgendwelche bösen Gedanken/Absichten mit ihren fast drei Jahren hat, auch nicht bei meiner sechsjährigen Tochter würde ich das vermuten, aber trotzdem ist es eine unangenehme Situation gewesen. In welchen Situation wusstet ihr nicht, ob ihr lachen, schimpfen, erklären oder einfach nur mit den Achseln zucken solltet?

Eure Nunu

 

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4 Gedanken zu “Das bayrische Kleid

  1. Süß und wunderschön sind sie, die Kleidchen (und auch das Model das drin steckt) und ganz und gar nicht bayrisch. Dafür müßten es Rauten sein 😉 Es grüßt lieb eine echte bayrische Göre *kicher*

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    • Liebe bayrische Göre,
      ja das ist schon klar, dass es Rauten sein müssten, aber allein die Zacken & die Farben scheinen an Euch zu erinnern.
      Ich finde die kleine Maus auch sooo süß!!!
      Liebe Grüße
      Nunu

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